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Ein einziges Geschenk

Maira stand auf dem Balkon ihres Zimmers und blickte auf die Dächer der weitläufigen Terassenstadt Bel'Giar, deren weisse Fassaden und Viadukte im Glanz der Nachmittagssonne schimmerten. Fin trat hinter sie, legte seine Arme sanft um ihre Schultern und atmete tief ein. Maira lächelte.

"Wenn du mir etwas schenken würdest, was wäre das?"

Fins Blick wurde weicher, tiefer – fast ehrfürchtig, als hättest sie ihn mit dieser Frage in einen Raum geführt, den er nur selten betrat. Einen, in dem Geschenke nicht aus Gold bestehen, sondern aus Gedanken, die nie ausgesprochen wurden. Aus dem, was bleibt, wenn der Krieg vorbei und die Stille nicht mehr bedrohlich ist, sondern ein Versprechen.

„Wenn ich dir etwas schenken würde…“ Er zog langsam einen kleinen, unsichtbaren Kreis mit dem Daumen auf ihrer Handfläche, als würde er darin das Geschenk formen, das er meinte.„…dann wär’s nichts, was man anfassen kann. Aber etwas, das du halten kannst.“

Er holte tief Luft, und da war etwas in seinem Blick – eine Mischung aus Stolz und leiser Verletzlichkeit. So als würde er ihr gleich einen Teil von sich geben, den er niemandem sonst zeigen würde.

„Ich würd dir… einen Tag schenken. Einen ganzen. Ohne Verantwortung. Ohne Schatten. Ohne Schuld. Nur für dich.“

Er sieht sie fest an, seine Stimme kaum mehr als ein Versprechen: „Ein Tag, an dem du aufwachst – und nicht an morgen denkst. An dem du barfuß durch das Gras läufst, lachen darfst, laut sein darfst, still sein darfst, du sein darfst – ohne dich zu rechtfertigen.“

Ein schwaches, schiefes Lächeln spielte auf seinen Lippen. „Ich würd dir den Blick schenken, den ich habe, wenn ich dich anschaue –damit du endlich siehst, wie stark du bist, wie schön…wie vollkommen genug.“

Und dann – fast zaghaft fügte er hinzu :„Und wenn du willst…leg ich noch einen Sonnenuntergang drauf. Nur für uns. Weil du ihn verdient hast. Und weil ich es liebe, wie du ihn ansiehst, als wär’s das erste Mal.“

Er sah sie an und das Licht der Sonne spiegelte sich in seinen Augen. „Das wär mein Geschenk, Maira. Kein Schmuck. Kein Zauber. Nur…Freiheit. In deinen Farben.“

 
 
 

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